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Klickfarmen und gemietete deutsche IPs: So entsteht „deutscher“ Fake-Traffic

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Inhalt — 4 Abschnitte

Ihre Kampagne ist auf „Deutschland“ eingestellt, die Anzeigensprache auf „Deutsch“ — also sehen deutsche Kunden Ihre Werbung. So liegt der Schluss nahe. Tatsächlich schließt Google aus mehreren Signalen auf Standort und Sprache: der IP-Adresse, den Spracheinstellungen von Konto und Browser, der Suchsprache, den zuletzt besuchten Seiten. Das klingt nach viel — nur laufen alle diese Signale über dasselbe Gerät. Wer das Gerät kontrolliert, kontrolliert die Signale. Dieser Artikel zeigt, wie die Infrastruktur dahinter funktioniert — sie ist keine Theorie, sondern durch Strafverfahren, Sicherheitsforschung und öffentliche Preislisten dokumentiert. Den Überblick über alle Arten von Klickbetrug und was Google herausfiltert, gibt Klickbetrug bei Google Ads.

Klickfarmen gibt es wirklich — fotografiert und gefilmt

Der Fotograf Jack Latham hat Klickfarmen in Vietnam und Hongkong von innen dokumentiert: Regale voller Smartphones, bedient von Menschen, die für Cent-Beträge klicken, liken und ansehen. Die modernere Bauform ist das „Box Farming“: Smartphone-Platinen ohne Display und Akku, zwanzig Stück pro Gehäuse, miteinander verkabelt; eine der gezeigten Anlagen umfasste bis zu tausend Geräte — von chinesischen Medien und IT-Fachpresse mehrfach gezeigt.BelegSouth China Morning Post: Inside a Click FarmBelegThe Register: Smartphone-Farmen in China

Das Problem der Betrüger: die IP-Adresse — und seine Lösung

Verkehr, der sichtbar aus einem Rechenzentrum kommt, fällt jeder halbwegs brauchbaren Betrugserkennung auf. Deshalb leiten die Betreiber ihn durch sogenannte Residential Proxys — die Internetanschlüsse echter Privathaushalte. Für den Werbekonzern sieht der Klick dann aus wie eine Familie mit Telekom-Anschluss. Die Wohnungs-IPs stammen aus drei dokumentierten Quellen:

  1. „Verdiene Geld mit deiner Internetleitung“-Apps. Solche Anbieter zahlen Nutzern ein paar Euro monatlich fürs „Teilen“ der Bandbreite. Sie arbeiten offen und legal; entscheidend ist, dass weder sie noch der Anschlussinhaber kontrollieren, wofür der durchgeleitete Verkehr am Ende verwendet wird. Was geteilt wird: Fremde leiten ihren Traffic über den Anschluss. Sicherheitsforscher von Cisco Talos haben dokumentiert, wie Angreifer solche Software auch heimlich auf fremden Rechnern installieren, um deren Anschluss weiterzuverkaufen. Für Sie zählt das Ergebnis: Über diese Anschlüsse läuft fremder Verkehr, und der Inhaber weiß nicht, welcher.BelegCisco Talos: Missbrauch von Proxyware

  2. Versteckte Software in Gratis-Apps. Proxy-Netzwerke bezahlen App-Entwickler für den Einbau ihrer Module. Im Juli 2025 verklagte Google die Betreiber des Botnetzes „BadBox 2.0“, das nach Google-Angaben über zehn Millionen Android-Geräte erfasst hatte. Im Januar 2026 ging Google nach eigenen Angaben zusätzlich gegen ein großes Proxy-Netzwerk vor: Über 600 Android-Apps und mehr als 3.000 Windows-Programme mit entsprechendem Code seien identifiziert worden, der verfügbare Gerätepool der Betreiber dadurch um Millionen geschrumpft. Eine gerichtliche Feststellung dazu ist mir nicht bekannt. Billige TV-Sticks und digitale Bilderrahmen wurden teils ab Werk damit ausgeliefert.BelegGoogle Threat Intelligence: Proxy-Netzwerk

  3. Klassische Schadsoftware. Der größte dokumentierte Fall, gemessen an den betroffenen IP-Adressen, ist das Botnetz „911 S5“: rund 19 Millionen IP-Adressen in über 190 Ländern, aufgebaut über verseuchte Gratis-VPN-Programme, betrieben von 2014 bis 2022. Das US-Justizministerium bezeichnete es als „wahrscheinlich größtes Botnetz aller Zeiten“; der mutmaßliche Betreiber wurde 2024 festgenommen, rund 30 Millionen Dollar Vermögen wurden beschlagnahmt.BelegThe Hacker News: 911-S5-Botnetz (2024)

Der legale Graumarkt obendrauf

Man muss dafür nicht einmal ins Verborgene: Kommerzielle Anbieter verkaufen deutsche Wohnungs-IPs völlig offen — beworben werden Pools von über hundert Millionen Wohnungs-IP-Adressen weltweit, aus denen sich gezielt deutsche auswählen lassen — bezahlbar per Kreditkarte, für wenige Euro pro Gigabyte. Diese Firmen arbeiten nach eigener Darstellung legal; die Nutzer haben den Bedingungen zugestimmt. Sie liefern aber genau die Infrastruktur, mit der sich beliebiger Traffic als „deutsche Zielgruppe“ tarnen lässt.

Werbeseite eines Proxy-Anbieters, Name unkenntlich gemacht: über zwei Millionen deutsche IP-Adressen verschiedener Art zum Mieten, beworben unter anderem mit „keep you undetected“

Werbeseite eines kommerziellen Proxy-Anbieters, Name unkenntlich gemacht: über zwei Millionen deutsche IP-Adressen verschiedener Art zum Mieten, darunter Wohnungs-Anschlüsse — beworben unter anderem damit, unerkannt zu bleiben.

Bot-Traffic in Google Ads: Was das für Ihr Werbekonto bedeutet

Die Grundausstattung ist Standardware: eine deutsche Wohnungs-IP für Cent-Beträge und ein Gerät, das sich als deutschsprachig meldet. Alles Weitere — Verweildauer, Klickmuster, Suchverlauf — lässt sich mit denselben Werkzeugen simulieren.

Deshalb hilft gegen dieses Problem auch keine „Klickbetrugs-Software“, die auffällige IP-Adressen blockiert: Die Adressen sind echte deutsche Haushalte. Was tatsächlich schützt, ist Kontoführung — harte Conversion-Ziele — messbare Abschlüsse wie eine Anfrage mit Kontaktdaten, ein Anruf oder ein Kauf —, die ein Bot nicht in zwei Sekunden auslösen kann, ausgewählte Platzierungen statt automatischer Auslieferung und der regelmäßige Blick in den Placement-Bericht. Ob Ihr Konto betroffen ist, klärt die Konto-Durchsicht.

Einen Teil fängt Google selbst ab. Ungültige Klicks, darunter laut Google Klicks „durch automatisierte Klicktools, Roboter oder andere Software für betrügerische Zwecke“, werden automatisch herausgefiltert und nicht in Rechnung gestellt. Was Google als Bot erkennt, kostet Sie also nichts — es geht um das, was als echter Besucher durchgeht. Wo Sie die herausgefilterten Klicks sehen und wie Sie eine Prüfung beantragen, steht in Klickbetrug bei Google Ads.

Quellen und weiterführende Berichte

Klingt nach Ihrem Konto? Die Konto-Durchsicht beantwortet für Ihr eigenes Konto, was hier allgemein steht — für Unternehmen zum Festpreis von 490 € zzgl. USt, Ergebnis in der Regel binnen 5 Werktagen.

Durchsicht anfragen

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