Zum Inhalt springen
klickbetrug-check.de

Klickbetrug und ungültige Klicks bei Google Ads: was Google herausfiltert und was Sie selbst tun können

Veröffentlicht am

Inhalt — 8 Abschnitte

Klickbetrug ist das Stichwort, unter dem fast alles verhandelt wird, was in einem Google-Ads-Konto Geld kostet und nichts bringt. Dahinter stecken sehr verschiedene Dinge: Programme, die Klicks erzeugen, Seiten, die nur für Werbung existieren, Daumen, die in einer App danebentippen, und manchmal tatsächlich ein Mitbewerber.

Dieser Beitrag ordnet das. Er erklärt, was Google unter ungültigen Klicks versteht, was davon herausgefiltert wird, wo Sie das im eigenen Konto sehen, wie Sie eine Prüfung beantragen und was danach realistisch zu erwarten ist. Wo ein Thema mehr Raum braucht, verweist er auf den Beitrag, der es ausführlich belegt.

Vorweg das Wichtigste: Was Googles Filter erkennen, wird Ihnen nicht berechnet. Es geht hier um den Teil, der durchgeht.

Was Klickbetrug ist

Im Englischen heißt Klickbetrug „Click Fraud". Google spricht nicht von Klickbetrug, sondern von ungültigen Klicks: „Anzeigenklicks, die nicht aufgrund eines echten Nutzerinteresses zustande gekommen sind." Als Beispiele nennt Google manuelle Klicks, die Ihre Werbekosten erhöhen oder einer Website mehr Einnahmen bringen sollen, automatisierte Klicktools und Roboterprogramme, aber auch schlicht den zweiten Klick eines Doppelklicks.BelegGoogle-Ads-Hilfe: Ungültige Klicks

Die Grenze verläuft also nicht zwischen Betrug und Versehen, sondern zwischen echtem Interesse und allem anderen. Für Ihr Budget ist das die richtige Grenze: Ein Klick ohne Absicht kostet dasselbe wie einer mit böser Absicht.

Vier Spielarten

Programme und Klickfarmen

Klicks, die gar kein Mensch macht, sind aktenkundig: Die US-Staatsanwaltschaft klagte 2018 die Netzwerke Methbot und 3ve an, der Kopf von Methbot wurde 2021 zu zehn Jahren Haft verurteilt. Heute können solche Klicks auch über gemietete Anschlüsse ganz normaler Haushalte kommen statt aus Rechenzentren — und damit scheinbar aus Deutschland. Wie das funktioniert, steht in Klickfarmen und gemietete deutsche IPs, der größere Zusammenhang in Warum es Klickbetrug gibt.

Seiten, die nur für Werbung existieren

Ein großer Teil des Problems ist nicht illegal, sondern bloß wertlos: Seiten, die ihre Besucher einkaufen, voller Anzeigen sind und kaum je zu einem echten Verkauf führen. In der Branche heißen sie „Made for Advertising"-Seiten, kurz MFA. Ihre Anzeige läuft dort, weil die automatische Auslieferung Plätze füllt. Zwei Fälle habe ich aufgeschlüsselt: taboolanews.com im Placement-Bericht und Anzeigen auf dem Sperrbildschirm. Warum das Sperren einzelner Seiten wenig hilft, steht in Warum Sperrlisten verlieren.

Versehentliche Klicks in Apps

Hier muss niemand betrügen. Eine Anzeige neben dem Weiter-Knopf eines Spiels, eine Wischgeste durch Fotos, ein Kind am Handy der Eltern — der Klick ist echt, das Interesse nicht. Wie Sie im eigenen Konto sehen, wie viel davon bei Ihnen ankommt, und was sich abstellen lässt, steht in Versehentliche Klicks in Apps.

Mitbewerber

Der naheliegende Verdacht. Google nennt den Fall ausdrücklich und will solche Klicks herausfiltern. Bevor Sie jemanden verdächtigen, lohnt aber der Blick auf die eigenen Einstellungen: Ein Budget, das mittags leer ist, hat viele harmlose Ursachen. Wie Sie einen Verdacht prüfen und was IP-Sperren dabei leisten, steht in Klickt die Konkurrenz auf Ihre Anzeigen?.

Eng verwandt, aber eine eigene Frage sind gefälschte Anfragen: Formulare, die Programme massenhaft ausfüllen. Sie kosten nicht nur den Klick, sondern verderben auch die automatischen Gebote, die aus ihnen lernen — dazu Automatische Gebote: Wenn Google aus falschen Anfragen lernt.

Was Google herausfiltert und wo Sie es sehen

Google filtert auf zwei Wegen. Was vor der Rechnung erkannt wird, wird Ihnen gar nicht erst berechnet. Was erst danach auffällt, wird nachträglich gutgeschrieben, „sofern dies möglich und angemessen ist". Beides lässt sich im Konto nachsehen.BelegGoogle-Ads-Hilfe: Gutschriften-Bericht

Die herausgefilterten Klicks zeigt eine eigene Spalte: im Menü Kampagnen auf „Kampagnen", über der Tabelle auf das Spalten-Symbol, nach „Ungültige Klicks" (englisch „Invalid clicks") suchen und „Anwenden". Diese Klicks haben Sie nicht bezahlt.

Die nachträglichen Gutschriften stehen unter Abrechnung → Zusammenfassung: Auf der Karte des jeweiligen Monats führt das Drop-down-Menü „Korrekturen" sie als „Ungültige Aktivität" (englisch „Invalid activity"). Für Such- und Performance-Max-Kampagnen gibt es dazu einen eigenen Bericht: im Menü Kampagnen den Berichtseditor öffnen und in der Vorlagengalerie den „Bericht zu Gutschriften für unzulässige Aktivitäten" („Invalid Activity Credit Report") wählen.BelegGoogle-Ads-Hilfe: Gutschriften-Bericht

Und eines steht dort nie: was die Filter nicht erkannt haben. Die Spalte zeigt, was Google gefunden hat, nicht, was es übersehen hat. Für den Rest gilt, was Google selbst schreibt: „Sie erhalten keine Erstattung für ungültigen Traffic." Es gibt Korrekturen und Gutschriften auf künftige Rechnungen, kein Geld zurück. Wie das Risiko in den Nutzungsbedingungen verteilt ist, steht in Warum es Klickbetrug gibt im Abschnitt über das Kleingedruckte.BelegGoogle-Ads-Hilfe: Über ungültige Zugriffe

Woran Sie ihn im eigenen Konto erkennen

Es gibt keinen einzelnen Beweis, nur Anzeichen, und jedes hat auch eine harmlose Erklärung: mehr Klicks ohne mehr Anfragen, ein früh aufgebrauchtes Tagesbudget, tausende Platzierungen mit Kleinstbeträgen, Klicks von außerhalb des Zielgebiets, Besuche, die sofort enden, Anfragen, die keine sind, dieselbe Adresse immer wieder im Protokoll, eine springende Spalte „Ungültige Klicks". Was jedes davon bedeutet und ab wann es auffällig wird, steht in Klickbetrug erkennen: Acht Anzeichen im eigenen Konto. Ein früh aufgebrauchtes Tagesbudget kann auch an der Gebotsstrategie liegen, siehe Google Ads Klicks maximieren.

Und manchmal gibt es gar nichts zu sehen: Bei Performance Max sehen Sie inzwischen, wo Ihre Anzeigen erschienen sind, aber nicht, was die einzelne Platzierung gekostet hat — dazu Performance Max: Was Google Ihnen zeigt.

Melden: So beantragen Sie eine Prüfung

Hält ein Verdacht der Prüfung der eigenen Einstellungen stand, können Sie bei Google über das „Formular zur Klickqualität" (englisch „Click Quality Form", Anmeldung mit dem Google-Konto nötig) eine Prüfung beantragen. In dieser Reihenfolge:BelegGoogle-Ads-Hilfe: Ungültige Klicks

  • Zeitraum eingrenzen. „Überprüfungen sind auf die letzten 60 Tage beschränkt." Was älter ist, prüft Google nicht mehr. Wer seine Zahlen nur einmal im Quartal ansieht, ist für den ersten Monat schon zu spät.BelegGoogle-Ads-Hilfe: Über ungültige Zugriffe

  • Konto-Angaben zusammenstellen. Die zehnstellige Kundennummer, die betroffenen Kampagnen und Anzeigengruppen und die verdächtigen Suchbegriffe.

  • Server-Protokolle sichern. Google verlangt IP-Adressen, Angaben zu Browser und Gerät und die Klick-Kennungen (GCLID), die Google an jeden Anzeigenklick hängt. Wichtig: Ein Server-Protokoll enthält alle Besucher, nicht nur die aus Anzeigen. Erst über die GCLID lässt sich ein Besuch einem bezahlten Klick zuordnen. Wie lange Ihr Anbieter die Protokolle aufbewahrt, sollten Sie wissen, bevor Sie sie brauchen.

  • Begründen. Eine kurze Beschreibung, was auffällt — etwa, dass die Klicks gestiegen sind, ohne dass sich an Budget, Geboten oder Suchbegriffen etwas geändert hat.

  • Abschicken und warten. Das Ergebnis kommt per E-Mail; laut Google kann die Prüfung „mehrere Arbeitstage dauern". Wird etwas gutgeschrieben, erscheint es als Korrektur auf einer der folgenden Rechnungen.

Ausführlicher, mit Googles eigenen Beispielen für einen begründeten Verdacht, steht der Ablauf in Klickbetrug erkennen.

Was wirklich hilft

Die wirksamsten Schritte sind keine Abwehr, sondern Einstellungen. Sie verringern die Fläche, auf der Klicks ohne Interesse entstehen können:

  • Standortoption prüfen. Voreingestellt erreicht Google auch Menschen, die sich für Ihr Zielgebiet interessieren, ohne dort zu sein. Klicks von außerhalb können hier ihren Grund haben.BelegGoogle-Ads-Hilfe: Erweiterte Standortoptionen

  • Netzwerke bewusst wählen. Suchanzeigen laufen voreingestellt auch bei Partnern außerhalb von Google — dazu Suchnetzwerk-Partner. Und Display-Werbung in Apps lässt sich abstellen, siehe Versehentliche Klicks in Apps. Wo Display-Anzeigen überall erscheinen können, zeigt Das Google Displaynetzwerk.

  • Platzierungen regelmäßig ansehen. Nicht nur die teuersten Zeilen, sondern die Masse darunter. Warum eine einmal angelegte Sperrliste nicht reicht, steht in Warum Sperrlisten verlieren.

  • IP-Adressen gezielt ausschließen. Bis zu 500 je Kampagne, über Einstellungen → Weitere Einstellungen → „Ausschlüsse von IP-Adressen". Bei Performance Max geht das nur für das ganze Konto, über die Kontoeinstellungen. Es hilft gegen einen festen Anschluss, kaum gegen wechselnde Adressen.BelegGoogle-Ads-Hilfe: IP-Adressen ausschließen

  • Schutzsoftware nüchtern prüfen. Sie kann einen Teil auffangen, aber nicht alles, und der „verhinderte Schaden", den sie ausweist, lässt sich kaum nachrechnen — dazu Schutzsoftware gegen Klickbetrug.

Häufige Fragen

Bekomme ich mein Geld zurück?

Nicht als Geld. Was Google vor der Rechnung erkennt, wird nicht berechnet; was danach auffällt, wird gutgeschrieben, wenn Google es für „möglich und angemessen" hält. Google schreibt ausdrücklich: „Sie erhalten keine Erstattung für ungültigen Traffic." Für den Teil, den niemand erkennt, gibt es weder das eine noch das andere. Geht es nicht um Klicks, sondern um eine Abbuchung, die Sie sich nicht erklären können, steht das Vorgehen in Unberechtigte Abbuchung von Google Ads.

Ist Klickbetrug strafbar?

Die großen Netzwerke wurden strafrechtlich verfolgt, siehe Methbot und 3ve oben. Für den Fall, dass ein Mitbewerber klickt, habe ich kein deutsches Urteil gefunden, und ich bin kein Anwalt. Die größere Hürde ist ohnehin der Nachweis: Eine IP-Adresse zeigt einen Anschluss, keinen Menschen. Was es dazu an Rechtsprechung gibt, steht im Abschnitt „Und rechtlich?" in Klickt die Konkurrenz auf Ihre Anzeigen?. Welche Paragrafen in Frage kommen und wo sich Fachleute uneins sind, steht in Ist Klickbetrug strafbar?.

Brauche ich eine Schutzsoftware?

Nicht als ersten Schritt. Die Einstellungen oben kosten nichts und wirken auf alle Klicks, nicht nur auf die verdächtigen. Ob sich Software danach noch lohnt, lässt sich am eigenen Konto ausrechnen — wie, steht in Schutzsoftware gegen Klickbetrug.

Wie viel Budget geht verloren?

Eine Zahl für „Klickbetrug insgesamt" gibt es nicht, und Zahlen von Schutzsoftware-Anbietern sind mit Vorsicht zu lesen. Belastbar ist eine Untersuchung des US-Werbetreibendenverbands ANA aus echten Abrechnungsdaten: Beim schlechtesten Viertel der Werbetreibenden gingen im ersten Quartal 2025 zwischen 12,9 und 25 Prozent dessen, was sie automatisiert im offenen Netz ausgaben, an Seiten, die nur für Werbung existieren. Das gilt für diesen Ausschnitt, nicht für jedes Konto und nicht für Suchanzeigen. Die Einordnung steht in Warum es Klickbetrug gibt.

Die ehrliche Einordnung

Klickbetrug ist real. Im eigenen Konto lohnt es sich trotzdem, zuerst nach Einstellungen zu suchen, die niemand bewusst gewählt hat, und nach Werbeplätzen, die niemandem schaden wollen, aber auch niemandem etwas bringen. Das ist weniger aufregend, lässt sich aber beheben.

Was Google erkennt, zahlen Sie nicht. Den Rest schon. Wie groß dieser Rest ist, steht in keinem Branchenbericht, sondern nur in Ihrem eigenen Konto.

Wie viel Budget in Ihrem Konto auf Plätzen und Klicks ohne Wert liegt, zeigt die Konto-Durchsicht — für die letzten zwölf Monate, mit Rechenweg.

Quellen

Klingt nach Ihrem Konto? Die Konto-Durchsicht beantwortet für Ihr eigenes Konto, was hier allgemein steht — für Unternehmen zum Festpreis von 490 € zzgl. USt, Ergebnis in der Regel binnen 5 Werktagen.

Durchsicht anfragen

Passend dazu