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Warum es Klickbetrug gibt: zu wenige gute Werbeplätze, Betrüger und das Kleingedruckte

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Inhalt — 9 Abschnitte

Nehmen wir an, Sie verkaufen Fahrräder. Sie wollen dort werben, wo Menschen über Fahrräder reden und kurz davor sind, eines zu kaufen. Wie viele solche Seiten gibt es? Im deutschsprachigen Netz vielleicht ein paar hundert, wenn man großzügig zählt.

Auf wie vielen Seiten läuft eine normale Online-Kampagne, bei der eine Software die Werbeplätze automatisch einkauft? Nachgezählt hat es der amerikanische Werbetreibendenverband ANA — in ihm sind die Unternehmen organisiert, die Werbung einkaufen und bezahlen, nicht die, die sie verkaufen. In echten Abrechnungsdaten kam heraus: Bei der Hälfte der untersuchten Werbetreibenden lief die Kampagne auf mehr als 53.799 Domains und Apps, bei der anderen Hälfte auf weniger.

Drei Dinge greifen dabei ineinander. Es gibt zu wenige gute Plätze. Daraus entsteht ein Geschäft mit erfundenen Besuchern. Und im Kleingedruckten bleibt das Risiko bei Ihnen. Hier geht es um diese Ursachen; was Sie im eigenen Konto dagegen tun können, fasst Klickbetrug bei Google Ads zusammen. Der Reihe nach.

Die Rechnung, die nicht aufgehen kann

Google bewirbt sein Displaynetzwerk — also die fremden Websites, Videos und Apps, auf denen Google außerhalb der eigenen Suche Werbung ausliefert — mit „über zwei Millionen Websites, Videos und Apps" und einer Reichweite von mehr als 90 Prozent der Internetnutzer weltweit. Das ist das Angebot, wie es im Verkaufsgespräch klingt.BelegGoogle-Ads-Hilfe: Displaynetzwerk

Wie viele dieser Plätze etwas wert sind, ist eine andere Frage. Die ANA hat 2025 gemessen, wo die Werbung tatsächlich landet: 90,3 Prozent aller Einblendungen liefen auf den 3.000 größten Domains und Apps — bei 53.799 gebuchten. Auf alles Übrige entfiel nicht einmal jede zehnte Einblendung. Noch deutlicher wird es oben an der Spitze: Allein die 100 größten Domains und Apps brachten 57,3 Prozent aller Einblendungen. Der Verband beschreibt das so: Die Zahl der winzigen Plätze am unteren Ende wächst weiter, während oben alles beim Alten bleibt.BelegANA-Benchmark 1. Quartal 2025

Der Verband empfiehlt seinen Mitgliedern inzwischen, mit 75 bis 100 geprüften Anbietern zu arbeiten, über die tausende gute Websites erreichbar sind. In einer ersten Fassung hatte er von wenigen hundert Websites gesprochen und diese Zahl später nach oben korrigiert. Das sind tausende Seiten für alle Themen zusammen und weltweit — für ein einzelnes Thema auf Deutsch, wie im Fahrrad-Beispiel, dürften es nach meiner Schätzung ein paar hundert sein. Und auch nach der Korrektur nach oben bleibt das Verhältnis: einige tausend brauchbare Plätze, gebucht wird auf über fünfzigtausend.BelegANA-Studie Dezember 2023

Die guten Plätze gibt es. Es gibt nur sehr wenige davon. Vieles von dem, was darüber hinaus angeboten wird, ist Auffüllmaterial: Es gibt mehr Werbegeld als gute Plätze, und irgendwo muss das Geld hin.

Was Knappheit mit Preisen macht

Knappheit liest man am Preis ab. Im ersten Quartal 2025 kosteten tausend Einblendungen 3,03 Dollar, wenn sie im offenen Handel eingekauft wurden, bei dem praktisch jede Seite mitbieten darf. In den geschlossenen Runden, in die nur handverlesene Seiten hineinkommen, kosteten dieselben tausend Einblendungen 10,43 Dollar. 2023 lagen die Werte noch bei 2,75 und 5,83 Dollar. Guter Platz kostete damals das Doppelte, heute mehr als das Dreifache. Wie Google dabei jeden einzelnen Seitenaufruf verkauft, steht in Ein Werbeplatz, tausend Mieter.

Gleichzeitig wandern die Einkäufer dorthin ab. Von 100 Euro Werbegeld gingen 2023 rund 54 Euro in diese geschlossenen Runden, im ersten Quartal 2025 schon 64,50 Euro, und im vierten Quartal 2025 über 92 Euro — jeweils gemessen an der Kampagne, die genau in der Mitte des Feldes liegt. Wer es sich leisten kann, kauft nicht mehr im offenen Netz.BelegANA-Benchmark 4. Quartal 2025

Das Programm, das die Plätze für einen Werbetreibenden ersteigert, nennt man Einkaufssoftware. Von jedem Euro, der dort hineingeht, erreicht nach derselben Untersuchung nur etwa 41 Cent den Verbraucher als brauchbare Einblendung: messbar, sichtbar und nicht von einem Computerprogramm abgerufen. 2023 waren es 36 Cent, im Vierteljahr davor sogar 43,9 Cent — es wird also besser, aber nicht gleichmäßig.

Ursache 1: Es werden Werbeplätze dazuerfunden

Wenn die Nachfrage das Angebot übersteigt, entsteht Ersatzware. Es gibt Seiten, die ausschließlich existieren, um Werbung zu tragen. In der Branche heißen sie „Made for Advertising"-Seiten, kurz MFA — so nennt sie auch die ANA. Das Analysehaus Jounce Media erkennt sie an drei Dingen, die man messen kann — wobei eines davon genügt:BelegJounce Media: MFA-Kriterien

  • Die Seite kauft ihre Besucher ein, mindestens doppelt so viele wie eine normale Website.

  • Sie ist mindestens doppelt so voll mit Anzeigen wie eine normale Website.

  • Oder die Anzeigen dort werden mindestens 50 Prozent seltener einem echten Verkauf zugerechnet.

Wie das im eigenen Google-Ads-Konto aussieht, habe ich an zwei Fällen aufgeschlüsselt: eine Domain, hinter der kein Nachrichtenportal steht, und Werbeplätze im Sperrbildschirm vorinstallierter Nachrichten-Feeds.

Und hier gehört eine Zahl korrigiert, die gern zitiert wird. 2023 bezifferte die ANA solche Seiten auf 21 Prozent der Einblendungen und 15 Prozent der Ausgaben. Betroffen war damals jedes einzelne der 21 untersuchten Konten; die Spanne reichte von 0,13 bis 42 Prozent. Dieser Anteil ist stark gefallen: Bei der Hälfte der untersuchten Werbetreibenden lagen 2023 noch 10 Prozent ihrer Ausgaben im offenen Netz auf solchen Seiten, im ersten Quartal 2025 nur noch 2,3 Prozent. Die Lage hat sich also verbessert, und wer heute noch mit den 15 Prozent argumentiert, argumentiert mit veralteten Daten.BelegANA-Studie Juni 2023

Der eigentliche Punkt steht ein paar Seiten weiter in derselben Untersuchung: Beim schlechtesten Viertel der Werbetreibenden gingen weiterhin 12,9 bis 25 Prozent dessen, was sie automatisiert im offenen Netz ausgeben, an solche Seiten. Der Durchschnitt ist gesund. Der Abstand zwischen den Besten und den Schlechtesten ist es nicht. Und in welchem Viertel Sie stehen, sagt Ihnen kein Branchenbericht.BelegANA-Benchmark 1. Quartal 2025

Ursache 2: Es lohnt sich, Besucher zu erfinden

Aufmerksamkeit ist knapp, und es wird viel Geld dafür bezahlt. Wo das zusammenkommt, lohnt es sich, Aufmerksamkeit einfach vorzutäuschen.

Das ist keine Branchenklage, sondern aktenkundig. Die US-Staatsanwaltschaft klagte 2018 zwei getrennte Netzwerke an. Methbot mietete über 1.900 Server und täuschte mehr als 5.000 Websites vor. 3ve arbeitete mit über 1,7 Millionen fremden Privatrechnern, auf denen unbemerkt ein zweiter, unsichtbarer Browser lief, Anzeigen aufrief und Mausbewegungen nachahmte, damit es wie ein Mensch aussah. Der Kopf von Methbot wurde 2021 wegen Betrugs und Geldwäsche zu zehn Jahren Haft verurteilt; zwei weitere Angeklagte bekannten sich 2019 schuldig, allerdings im Zusammenhang mit 3ve. Zu den übrigen Beschuldigten ist mir kein Urteil bekannt.BelegUS-Justizministerium: Anklage 2018BelegThe Record: Urteil gegen Methbot-Kopf

Der Aufwand dafür ist seitdem gesunken. Betrüger können sich heute in die Internetanschlüsse ganz normaler Haushalte einmieten. Ihre Klicks kommen dann nicht aus einem Rechenzentrum, sondern scheinbar aus einem Wohnzimmer — und sind damit kaum von echten zu unterscheiden. Verkauft wird dieser Zugang ganz offen als Dienstleistung, etwa damit Firmen die Preise der Konkurrenz abfragen können — ob die Anschlussinhaber davon wissen, ist eine andere Frage.

2021 kaperte das Netzwerk PARETO knapp eine Million Android-Geräte und ließ sie so aussehen, als wären sie Fernseher. Der Grund ist schlicht der Preis: Für Werbung auf dem Fernsehschirm zahlen Werbetreibende ein Vielfaches. Zusammen riefen diese Geräte im Schnitt 650 Millionen Anzeigen pro Tag ab.BelegHUMAN Security: PARETO-Analyse

Warum aber fälschen Betrüger nicht nur Klicks, sondern auch Abschlüsse? Weil vielfach nicht pro Klick bezahlt wird, sondern pro Anfrage oder Verkauf. Dazu kommt ein Trick, den der Berater Augustine Fou beschreibt: Wer auf zehntausenden fremden Geräten Klicks erzeugt, muss gar nichts verkaufen. Er wartet nur, bis einer dieser Menschen von selbst etwas kauft — und das passiert irgendwo immer. Die Messung sieht dann erst den Klick auf die Anzeige und danach den Kauf. Also schreibt sie den Kauf der Anzeige zu.BelegAugustine Fou bei Forbes

Am deutlichsten hat das 2020 Kevin Frisch geschildert, der damals bei Uber für die Werbung zuständig war — kein Anbieter von Schutzsoftware, sondern derjenige, der bezahlt hat. Uber habe 100 von 150 Millionen Dollar Werbebudget abgeschaltet, und die Zahl der App-Installationen sei praktisch unverändert geblieben. Was vorher als bezahlte Installation abgerechnet wurde, kam danach einfach als kostenlose.BelegIBTimes: Kevin Frisch über Uber

Dass solche Programme auch deshalb Käufe und Anfragen vortäuschen, um untergeschobene Werbeseiten glaubwürdig zu halten, ist naheliegend — belegt ist es nicht. Belegt sind nur die einzelnen Teile: Solche Seiten kaufen ihre Besucher ein. Ihre Anzeigen führen seltener zu echten Verkäufen. Und es gibt Programme, die Kontaktformulare massenhaft ausfüllen, weil für jede Anfrage eine Prämie fließt. Diese Teile zusammenzudenken ist eine Erklärung — kein Befund.

Ursache 3: Wer prüft, rechnet auch ab

Die dritte Ursache steht im Kleingedruckten, und sie ist die unspektakulärste. In den Google Ads-Nutzungsbedingungen „erkennt" der Werbetreibende „an, dass Dritte zu verbotenen oder unzulässigen Zwecken Impressionen oder Klicks für Anzeigen des Kunden generieren können" — „Impressionen" ist das Wort der Branche für Einblendungen. Welche Länderfassung für Ihr Konto gilt, sehen Sie in Ihrem Konto unter „Abrechnung" — Google liefert die öffentliche Seite je nach Land unterschiedlich aus, ein Blick in die eigene Fassung lohnt sich also.BelegGoogle-Ads-Nutzungsbedingungen

Wer etwas beanstanden will, hat dafür laut Klausel 60 Tage ab dem Rechnungsdatum; danach sieht die Klausel, soweit gesetzlich zulässig, einen Verzicht auf alle Ansprüche wegen der berechneten Gebühren vor. Ob eine so kurze Frist in vorformulierten Bedingungen nach deutschem Recht überhaupt wirksam ist, steht auf einem anderen Blatt — nur muss das niemand klären, der die 60 Tage einhält. Bereitgestellt werden die Programme außerdem „ohne Mängelgewähr", also ohne Zusage, dass sie fehlerfrei arbeiten.BelegGoogle-Ads-Nutzungsbedingungen

Der Regelfall ist dabei nach Googles Darstellung unspektakulär: Was die Filter erkennen, wird Ihnen gar nicht in Rechnung gestellt. Es geht hier um den anderen Fall — die Klicks, die durchgehen. Ob ein Klick ungültig war, entscheiden Googles eigene Systeme. Fällt ein Klick dort nicht auf, bekommen Sie laut Hilfeseite „unter Umständen" eine Gutschrift, und zwar Guthaben für künftige Werbung: „Sie können diese Art von Gutschrift nur für zukünftige Werbeausgaben einsetzen." Für Gutschriften bei technischen Störungen hält Google an anderer Stelle fest, sie seien „endgültig" und würden „nach unserem alleinigen Ermessen" gewährt.BelegGoogle-Ads-Hilfe: Gutschriften ungültige KlicksBelegGoogle-Ads-Hilfe: Gutschriften technische Probleme

Dazu die Zahlen zur Beteiligung: Kauft ein Werbetreibender über Google Ads Displayanzeigen auf AdSense-Seiten, behalten die Seitenbetreiber nach Googles eigener Angabe etwa 68 Prozent. Für AdSense allgemein nennt Google 80 Prozent dessen, was nach der Gebühr der Einkaufsplattform übrig bleibt. Rund ein Drittel bleibt also auf dem Weg über Google Ads bei den beiden Plattformen dazwischen, die hier beide zu Google gehören — als Umsatz, nicht als Gewinn: Davon wird auch der Betrieb der Technik bezahlt.BelegAdSense-Hilfe: Umsatzbeteiligung

Wer prüft, stellt auch die Rechnung. Das ist keine Unterstellung, sondern eine Beschreibung: Auktion, Messung und Beschwerdestelle liegen in einer Hand. Ein Motiv muss man dafür niemandem unterstellen. Schon diese Bündelung erklärt, warum sich von außen niemand ein eigenes Urteil bilden kann.

Der Fairness halber: Google filtert ungültige Zugriffe, und zwar aufwendig. Das Unternehmen beschreibt ein weltweites Team, lernende Software und die Prüfung von Verdachtsfällen durch Menschen. Der belegbare Kritikpunkt ist nicht, dass diese Filterung fehlt — sondern wie wenig man davon sieht. Google veröffentlicht keine Gesamtzahlen dazu, wie viel herausgefiltert wird. Für Klicks im Suchnetzwerk lässt Google seine Zählung samt Filterung von einer Prüfstelle der Werbebranche akkreditieren, dem Media Rating Council; Klicks im Displaynetzwerk nennt das aktuelle Schreiben vom März 2026 nicht. Und was in Ihrem eigenen Konto durchgerutscht ist, sagt Ihnen keine Akkreditierung.BelegGoogle: Qualität des Anzeigentraffics

Was Gerichte festgestellt haben — und was nicht

Damit hier nichts Falsches stehen bleibt: Dass eine Seite über etwas entscheidet, an dem sie selbst verdient, ist noch kein Vorwurf. Was davon wirklich festgestellt ist, haben zuletzt Gerichte sortiert.

Im April 2025 entschied die US-Bundesrichterin Leonie Brinkema, dass Google sich in zwei Bereichen des Anzeigenhandels unerlaubt eine Monopolstellung verschafft hat. Im September 2026 lehnte dasselbe Gericht es allerdings ab, den Konzern aufzuteilen; stattdessen sieht es Verhaltensauflagen für sechs Jahre vor, überwacht von einem Aufseher und einem technischen Gremium; unterschrieben war das endgültige Urteil Mitte Oktober 2026 noch nicht. Die EU-Kommission verhängte im September 2025 eine Geldbuße von 2,95 Milliarden Euro, weil Google die eigene Anzeigenbörse bevorzugt habe — den Handelsplatz, auf dem Werbeplätze versteigert werden. Rechtskräftig ist nichts davon.Belegheise online: Urteil April 2025Belegheise online: Entscheidung September 2026

Wichtig ist, was das nicht heißt. In diesen Verfahren ging es darum, dass Google die eigenen Dienste bevorzugt behandelt hat. Es ging nicht um Klickbetrug. Kein Gericht hat festgestellt, dass Google Klickbetrug ermöglicht oder duldet. Was die Verfahren belegen, ist Marktmacht — und dass Google an dem Handel mitverdient, über den es selbst bestimmt. Mehr nicht, und das ist schon einiges.BelegEU-Kommission: Geldbuße September 2025

Warum Ihnen niemand sagen kann, wie groß der Schaden ist

Drei Ursachen also. Bleibt die Frage, die jeder zuerst stellt: Wie viel kostet mich das?

Der Anbieter Fraudlogix wertete 2025 rund 105,7 Milliarden Einblendungen aus und kam auf 20,64 Prozent ungültige Zugriffe — also Aufrufe, hinter denen kein Mensch steckt, sondern ein Programm. Juniper Research bezifferte den weltweiten Schaden für 2023 auf 84 Milliarden Dollar — in einer Auftragsstudie für einen Anbieter von Schutzsoftware. Der Bundesverband Digitale Wirtschaft dagegen kam für Deutschland 2017 auf 2,2 Prozent und 2019 für Displaywerbung auf 4,2 Prozent; neuere Zahlen des Verbands habe ich nicht gefunden.BelegFraudlogix: Ad-Fraud-StatistikBelegHorizont 2017: BVDW-Messung

Zwanzig Prozent gegen zwei — der Abstand ist kein Messfehler. Die Zahlen messen Verschiedenes: Die hohen entstehen bei der Prüfung des weltweiten offenen Anzeigenhandels, die niedrige bei der Prüfung der Werbeplätze, die deutsche Anbieter selbst vermarkten. Wer nur geprüfte Plätze misst, findet weniger. Und wer misst, hat immer auch ein Interesse am Ergebnis — Schutzsoftware verkauft sich mit hohen Zahlen, Werbeplätze mit niedrigen. Die Spannweite ist die eigentliche Nachricht: Niemand kann Ihnen sagen, wie hoch der Anteil in Ihrem Konto ist. Das sagt nur Ihr eigener Platzierungsbericht — die Liste in Ihrem Google-Ads-Konto, die jede einzelne Website und App nennt, auf der Ihre Anzeigen gelaufen sind, samt Kosten.

Und dort ist die gefährlichste Zeile nicht Platz 1. Die eine teure Platzierung fällt auf, wird geprüft und gegebenenfalls ausgeschlossen. Gefährlich sind die zehntausende Zeilen mit zwanzig Cent, zwei Euro, sechs Euro — jede zu klein, um jemandem aufzufallen, und in der Summe womöglich ein spürbarer Teil des Budgets. Wer nach Kosten absteigend sortiert, sieht genau das nicht.

Was Sie konkret prüfen sollten

  1. Nachsehen, welche Netzwerke mitlaufen. Ihre Anzeige erscheint oft nicht nur bei Google selbst: bei Suchnetzwerk-Partnern (fremde Suchmaschinen und Seiten mit Suchfeld), über die Displaynetzwerk-Erweiterung (beliebige Websites und Apps) und bei Videopartnern (Videoportale außerhalb von YouTube). Prüfen Sie für jede Kampagne, ob das eine Entscheidung war oder eine Voreinstellung, die niemand angefasst hat. Die Suchnetzwerk-Partner lassen sich in Suchkampagnen jederzeit abwählen — allerdings nicht bei Performance Max, dort laufen sie zwingend mit. Was sie sind und wie Sie prüfen, ob sie sich lohnen, steht in Suchnetzwerk-Partner: Wo Ihre Google-Suchanzeige noch erscheint.

  2. Die Differenz zu Ihren Top 20 ausrechnen. Notieren Sie die Gesamtkosten des Platzierungsberichts und daneben die Summe Ihrer zwanzig teuersten Platzierungen. Die Differenz ist das Geld, das sich auf zehntausende Zeilen verteilt — jede einzelne zu billig, um aufzufallen. Sind das 20, 30 oder 40 Prozent Ihres Budgets, haben Sie Ihr Leck gefunden.

  3. Eine Stichprobe aus der Mitte ziehen. Nicht aus den Top 10 — dort fallen Auffälligkeiten am ehesten auf. Nehmen Sie fünf Domains aus dem Mittelfeld und machen Sie die Google-Probe: Suchen Sie nach site:domainname.de. Findet Googles eigene Suche die Seite nicht, auf der Google Ihre Anzeigen abrechnet, ist das ein starkes Indiz. Schritt für Schritt steht das unter Prüfen Sie es selbst.

  4. Die 60-Tage-Frist kennen. Beanstandungen sind laut Klausel befristet, und was Sie im Erfolgsfall bekommen, ist Guthaben für künftige Ausgaben. Wer Rechnungen erst am Jahresende prüft, steht schlechter da als jemand, der monatlich hinsieht.

  5. Nicht auf Klicks abzielen. Wenn Sie dem System Klicks als Ziel vorgeben — oder den Anteil der Betrachter, die klicken —, dann liefert es genau das: Klicks. Und Klicks kann man beliebig erzeugen. Geben Sie ihm ein Ziel, das sich nicht unbemerkt fälschen lässt: Anfragen mit Kontaktdaten, Anrufe, Käufe.

  6. Den Abschalt-Vergleich machen. Die Uber-Rechnung im Kleinen: vier Wochen aus, dann Anfragen und Umsatz gegen den Vorzeitraum halten. Wie man das richtig macht, steht in Was passiert, wenn man die Werbung abschaltet?.

Der letzte Punkt ist der unbequemste und der ehrlichste: Es ist der einzige Versuch, den kein Bericht für Sie schönrechnen kann.

Die ehrliche Einordnung

Es gibt nicht den einen Schuldigen. Es gibt einen dauerhaften Mangel an Plätzen, die wirklich etwas wert sind; ein Geschäftsmodell, das aus diesem Mangel entsteht; und eine Vertragslage, die das Risiko bei Ihnen lässt. Die drei brauchen sich gegenseitig: Ohne die Lücke gäbe es keinen Markt für erfundene Besucher, und weil Sie selbst beweisen müssen, dass etwas schiefgelaufen ist, bleibt das Risiko bei dem, der am wenigsten sieht.

Vieles ist besser geworden, und das gehört dazugesagt. Der Anteil reiner Werbeseiten ist deutlich gefallen. Die Suchnetzwerk-Partner kann man abwählen, außer bei Performance Max. Und seit Anfang 2026 lassen sich einzelne Websites für das ganze Konto sperren, nicht mehr nur für eine Kampagne. Nur zahlt kein Durchschnitt Ihre Rechnungen: Das schlechteste Viertel steckt weiterhin 13 bis 25 Prozent seiner Ausgaben im offenen Netz in solche Seiten, und in welchem Viertel Sie stehen, steht in keiner Studie.

Wohin Ihr Budget der letzten zwölf Monate tatsächlich geflossen ist, zeigt die Konto-Durchsicht. Die passende Frage an Ihre Agentur steht im Agentur-Test: Auf wie vielen Domains lief unsere Kampagne im letzten Quartal — und wie viele davon kannten wir?

Quellen

Klingt nach Ihrem Konto? Die Konto-Durchsicht beantwortet für Ihr eigenes Konto, was hier allgemein steht — für Unternehmen zum Festpreis von 490 € zzgl. USt, Ergebnis in der Regel binnen 5 Werktagen.

Durchsicht anfragen

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Der Bericht nennt eine Website. Es ist ein Handy-Feed.

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Der Eintrag sieht aus wie ein Nachrichtenportal, führt aber zu keinem. Was wirklich dahintersteckt, warum Ihre Anzeige dort lief und was zu tun ist.

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