Klickbetrug bei Microsoft Ads (Bing): gleiches Problem, anderer Konzern
Autor
Mathias BitschVeröffentlicht am
Für Microsoft Ads (früher Bing Ads) zusätzlich zu Google spricht ein naheliegendes Argument: Die Klicks sind billiger. Genau dieses Argument sollte stutzig machen. Denn billige Klicks sind, wie auf dieser Seite mehrfach beschrieben, nicht unbedingt ein Schnäppchen, sondern können ein Warnsignal sein. Und tatsächlich findet sich bei Microsoft dasselbe Problemmuster wie bei Google — dokumentiert in Microsofts eigenem Support-Forum. Wie Google mit dem Problem umgeht, steht in Klickbetrug bei Google Ads.
Ein Fall aus Microsofts eigenem Forum
Im Juli 2025 schildert ein Werbetreibender im offiziellen Microsoft-Q&A-Forum unter der Überschrift „Rampant Click Fraud“ folgenden Vorgang: Er startet mehrere Suchkampagnen — und sieht seine Kampagnenbudgets in weniger als 30 Minuten aufgebraucht, durch eine Flut von Klicks aus dem Microsoft Audience Network. Die Quellen listet er auf: durchweg Domains ohne erkennbaren Absender. Seine Beschreibung dieser Seiten: „AI Slop“ — maschinell erzeugter Inhaltsmüll. Der Beitrag ist öffentlich einsehbar; die Schilderung stammt vom betroffenen Werbetreibenden, nicht von Microsoft.BelegMicrosoft Q&A: „Rampant Click Fraud“
Namen, die niemand kennt. Endungen wie .xyz und .tips. Inhalte, die nach seiner Einschätzung kein Mensch geschrieben hat. Wer den Artikel über KI-Seitenfarmen und Sperrlisten gelesen hat, erkennt das Muster sofort — es ist dasselbe wie im Google-Display-Netzwerk — den fremden Websites und Apps, auf denen Google Bild- und Bannerwerbung ausliefert, nur unter anderem Konzerndach.

Der Beitrag im offiziellen Microsoft-Forum: ein Werbetreibender listet die Websites auf, über die sein Budget im Microsoft Audience Network abfloss.
Zwei Netzwerke, die Sie kennen sollten
Microsoft Ads kann Ihre Anzeigen über zwei Kanäle ausliefern, die je nach Kampagnen- und Netzwerkeinstellung mitlaufen:
Syndicated Search Partners. Ein Netzwerk aus Partner-Suchseiten, auf denen Ihre Suchanzeigen mitlaufen — das Gegenstück zu Googles Suchnetzwerk-Partnern. Aus der Praxis wird immer wieder von auffälligen Kennzahlen berichtet: Klickraten, die rechnerisch nicht sein dürften, und Conversion-Raten — der Anteil der Klicks, aus denen eine Anfrage oder ein Kauf wird — weit über dem Kontodurchschnitt auf Seiten ohne thematischen Bezug.
Microsoft Audience Network (MSAN). Das Display-Gegenstück, mit Bild- und Native-Anzeigen auf Partnerseiten und in MSN-Umfeldern. Aus diesem Netzwerk stammt der oben zitierte Fall.
Meldet ein Placement mehr Klicks, als die Anzeige Einblendungen hatte, stimmt etwas nicht — mit dem Traffic oder mit der Zählung. Beides ist ein Grund, genauer hinzusehen, statt sich über den günstigen Klickpreis zu freuen.
Warum Bing für Betrüger attraktiv ist
Drei Gründe kommen zusammen. Erstens ist ein Partnernetzwerk grundsätzlich schwerer zu kontrollieren als die eigenen Suchseiten — mehr Beteiligte, weniger Transparenz. Zweitens sind die Gegenmittel schwächer: Bei Microsoft lassen sich 2.500 Websites je Kampagne oder Anzeigengruppe ausschließen, dazu kommen bis zu drei Ausschlusslisten je Verwaltungskonto mit je 10.000 Einträgen. Bei Google sind es 65.000 Ausschlüsse allein auf Kontoebene und zusätzlich bis zu 20 Listen mit je 65.000 Einträgen (Stand für beide: September 2026, in den Unterlagen der Anbieter nachgeprüft). Nach eigener Schilderung hatte der oben zitierte Werbetreibende es mit Zehntausenden solcher Seiten zu tun. Ob Microsofts Betrugserkennung besser oder schlechter arbeitet als Googles, weiß von außen niemand — beide Konzerne veröffentlichen dazu keine prüfbaren Zahlen. Die kursierenden Zahlen, nach denen 7 bis 15 Prozent aller abgerechneten Klicks unentdeckte Betrugsklicks sein sollen, stammen allerdings von Firmen, die Schutzsoftware verkaufen, und sie gelten der bezahlten Suche insgesamt — eine eigene, belastbare Messung für Microsoft Ads gibt es nicht. Behandeln Sie sie als Schätzung mit Verkaufsinteresse, nicht als Messung. Drittens, und das ist der eigentliche Punkt: Wer zu Bing wechselt, tut es wegen der niedrigen Klickpreise — und fragt deshalb erst recht nicht, warum die Klicks so billig sind.BelegMicrosoft Advertising: Grenzwerte
Was Sie in Ihrem Microsoft-Konto einstellen sollten
Netzwerk begrenzen. Die Einstellung heißt „Anzeigenverteilung“ und sitzt nicht in der Kampagne, sondern in jeder einzelnen Anzeigengruppe (Anzeigengruppe → Einstellungen → Erweiterte Einstellungen). Dort von „Das gesamte Microsoft Advertising Network“ auf „Microsoft-Websites und ausgewählter Traffic“ umstellen — damit fällt der breite Syndication-Verkehr weg. Ausgewählter Partner-Verkehr, etwa von Yahoo, bleibt enthalten. Wer auch den ausgewählten Partner-Verkehr loswerden will, findet in der Oberfläche keine eigene Einstellung dafür; Werbetreibende berichten im offiziellen Forum, dass der Support das Konto auf Anfrage herausnimmt.BelegMicrosoft Q&A: Opt-out Search Partners
Audience Network eindämmen. Der eingangs geschilderte Fall stammt genau aus diesem Netzwerk. Microsoft nennt dafür dieselbe Einstellung wie oben: Wer Suchanzeigen ganz aus dem Audience Network heraushalten will, stellt die Anzeigenverteilung auf „Microsoft-Websites und ausgewählter Traffic“ — so die Antwort des Microsoft-Supports im offiziellen Forum. Dazu: Audience-Kampagnen als eigenen Kampagnentyp nur anlegen, wenn Sie sie wirklich wollen, den Publisher-Bericht trotzdem monatlich ansehen und auffällige Domains ausschließen.
Publisher-Bericht ziehen. Microsoft bietet einen Bericht über die Websites, auf denen Ihre Anzeigen liefen („Website-URL (Publisher)“). Das ist das Gegenstück zum Placement-Bericht bei Google — sortieren Sie nach Kosten: Die Differenz zwischen den Gesamtkosten und den Kosten Ihrer 20 teuersten Platzierungen ist das Geld, das niemand prüft.
Ausschlüsse setzen. Auffällige Domains lassen sich auf Kampagnen- und auf Kontoebene ausschließen. Es gilt dasselbe wie bei Google Display: Ausschlusslisten sind eine Notlösung, keine Strategie — was gegen das Audience Network überhaupt möglich ist, steht in Schritt 2.
Erstattung beantragen. Klicks, die Microsoft selbst für ungültig hält, schreibt es nach eigener Darstellung automatisch gut; wer weitere Fälle vermutet, wendet sich an den Support. Es gilt dieselbe Einschränkung wie bei Google: Der Konzern, der an den Klicks verdient, entscheidet selbst darüber, welcher Klick ungültig war.
Die eigentliche Erkenntnis
Es wäre bequem, das Problem für einen Google-Skandal zu halten. Ist es nicht. Wo ein Konzern gleichzeitig Werbeplätze verkauft, an jedem Klick verdient und allein darüber entscheidet, welcher Klick erstattet wird, entsteht dasselbe Ergebnis — bei Google, bei Microsoft, und aus denselben Gründen auch in den sozialen Netzwerken. Das Anreizsystem produziert das Verhalten, nicht die Firmenkultur.
Für Sie heißt das: Ein zweiter Werbekanal verdoppelt nicht nur die Reichweite, sondern auch die Zahl der Konten, in die niemand hineinschaut. Wenn Sie Microsoft Ads parallel zu Google fahren, gehört der Publisher-Bericht genauso in die monatliche Durchsicht. Wenn Sie es prüfen lassen wollen: Die Konto-Durchsicht umfasst beide Plattformen. Wer diese Durchsicht nicht selbst führen möchte, findet sie in der laufenden Betreuung wieder — dort ebenfalls für beide Plattformen.
Quellen
Klingt nach Ihrem Konto? Die Konto-Durchsicht beantwortet für Ihr eigenes Konto, was hier allgemein steht — für Unternehmen zum Festpreis von 490 € zzgl. USt, Ergebnis in der Regel binnen 5 Werktagen.
Durchsicht anfragenPassend dazu
Eine Sperrliste ist kein Schutzwall. Sie ist eine Quittungssammlung.
Sperrlisten gegen wertlose Werbeplätze scheitern nicht an Googles Obergrenzen, sondern am Prinzip: Gesperrt wird erst, was schon Geld gekostet hat.
Der Bericht zeigt, wo Ihre Anzeigen liefen — nicht, was es gekostet hat.
Seit Februar 2026 zeigt Google für Performance Max auch die Suchnetzwerk-Platzierungen — nur ohne die Zahlen, die zählen. Was das für Ihr Budget bedeutet.