Irgendwann klingelt das Telefon. Am anderen Ende ein freundlicher Mensch, der Ihr Google-Ads-Konto betreut — kostenlos. Er hat sich Ihre Kampagnen angesehen, ein paar Optimierungsvorschläge, Ihr Optimierungsfaktor liege bei nur 62 Prozent, da lasse sich einiges herausholen. Das Angebot klingt gut. Trotzdem lohnt eine Frage, bevor Sie zustimmen: Wessen Ziel wird hier optimiert?
Bleiben wir zuerst bei dem, was Sie selbst in Ihrem Konto sehen können — unabhängig davon, wer anruft.
Optimierungsfaktor und automatische Empfehlungen
Ein solches Gespräch kann mit dem Optimierungsfaktor beginnen, Googles eigener Prozentzahl. Sie steigt, wenn Sie Googles Empfehlungen übernehmen — oder ablehnen; 100 Prozent sagen nichts darüber, ob Ihr Konto Kunden bringt. Ist im Konto außerdem „Empfehlungen automatisch anwenden" eingeschaltet, setzt Google ausgewählte Vorschläge ohne Rückfrage selbst um. Was der Faktor misst, welche Empfehlungen ihn heben und wie Sie die automatische Anwendung Schritt für Schritt abschalten, steht in Google Ads Optimierungsfaktor: Empfehlungen deaktivieren.BelegGoogle-Ads-Hilfe: OptimierungsfaktorBelegGoogle-Ads-Hilfe: Empfehlungen automatisch anwenden
Was im Konto tatsächlich geändert wurde, zeigt der Änderungsverlauf (im Menü „Kampagnen“). Dort steht, wer wann was geändert hat — auch automatische Änderungen. Wenn Sie dort Einträge finden, die niemand aus Ihrem Haus und niemand aus Ihrer Agentur vorgenommen hat, kamen die Änderungen von außerhalb Ihres Teams — über die automatische Anwendung oder über einen Zugang, der irgendwann gewährt wurde. Dann lohnt die Frage, wer heute alles Zugriff hat.BelegGoogle-Ads-Hilfe: Empfehlungen automatisch anwenden
Was berichtet wird — und wie belastbar es ist
Über die Betreuer selbst gibt es Erfahrungsberichte aus der Branche: dass ein Teil von ihnen nicht direkt bei Google angestellt ist, sondern bei beauftragten Dienstleistern; dass ihre Zielvorgaben an der Einführung neuer Funktionen und an umgesetzten Optimierungsvorschlägen hängen; dass Empfehlungen entsprechend Richtung Automatisierung und Budgetausweitung tendieren.BelegOptmyzr: Erfahrungen mit Google-Betreuern
Hier ist Ehrlichkeit angebracht: Diese Berichte stammen aus Fachblogs und aus dem Erfahrungsaustausch von Praktikern. Eine behördliche Untersuchung oder eine journalistische Recherche, die das belegt, ist mir nicht bekannt — und ich behaupte deshalb nichts über Absichten oder Zielvorgaben. Für Ihre Entscheidung brauchen Sie das auch gar nicht. Es genügt der Interessenkonflikt, der offen zutage liegt: Die Person, die Ihre Kampagnen bewertet, arbeitet für das Unternehmen, das an Ihren Klicks verdient.
Wie Sie mit dem Anruf umgehen
Auflegen müssen Sie nicht. Diese Gespräche können nützlich sein — man muss sie nur richtig einordnen:
Nichts im Gespräch freigeben. Lassen Sie sich Vorschläge schriftlich geben und entscheiden Sie in Ruhe. Seriöse Empfehlungen halten ein paar Tage aus.
Nach dem Beitrag zum Geschäft fragen, nicht zum Optimierungsfaktor. „Wie viele zusätzliche Anfragen bringt das, und woran messen wir das?“ Wenn die Antwort auf Kennzahlen der Plattform ausweicht, wissen Sie genug.
Keine Zugriffsrechte erweitern, nur weil es im Gespräch praktisch wäre.
Nach dem Gespräch in den Änderungsverlauf schauen. Das ist die wichtigste Kontrolle, aber keine vollständige: Laut Google werden Änderungen, die Google-Mitarbeiter während einer Beratung vornehmen, manchmal nicht aufgeführt. Notieren Sie deshalb selbst, was im Gespräch umgestellt wurde. Wie Sie den Verlauf lesen, steht in Google Ads Änderungsverlauf: Wer hat was geändert?.
Wirklich Google am Telefon? So erkennen Sie Fake-Anrufe
Nicht jeder, der sich als Google meldet, kommt von Google. Google nennt dafür einen einfachen Test: Bitten Sie die anrufende Person um eine E-Mail. Stammt sie wirklich von Google, enthalten Absenderadresse („From“) und Rücksendepfad („Return-Path“) die Domain „@google.com“ oder „@ads.google.com“.
Außerdem schreibt Google, es frage niemals unaufgefordert per E-Mail oder über einen Link nach Ihrem Passwort oder anderen vertraulichen Informationen. Fragt jemand danach, ist das nach Googles Worten wahrscheinlich ein Versuch, Ihre Daten zu stehlen. Verdächtige Anrufe und E-Mails lassen sich bei Google über ein Formular melden. Was zu tun ist, wenn schon jemand Zugriff hatte, steht in Unberechtigte Abbuchung von Google Ads. Und wenn eine Agentur anruft, die sich auf Google beruft: Was das Partner-Logo aussagt, steht in Das Google-Partner-Logo.
Der eigentliche Punkt
Diese ganze Website handelt von einem einzigen Muster, und der Anruf ist nur seine höflichste Ausprägung: Bei digitaler Werbung fallen Beratung und Verkauf zusammen. Wer Ihnen sagt, was gut für Sie ist, verdient daran, dass Sie mehr ausgeben. Das gilt für die Plattform, und es gilt überall dort, wo das Honorar prozentual am Budget hängt. Das ist kein Vorwurf an die Menschen, die so arbeiten. Es ist eine Aussage über den Anreiz, und den sollten Sie kennen — deshalb steht diese Frage auch im Agentur-Test.
Eine unabhängige Prüfung ist deshalb keine Misstrauensbekundung, sondern ein Blick von jemandem, der nichts davon hat, wenn Ihr Budget steigt. Was dabei herauskommt, steht in der Konto-Durchsicht. Und wenn die Kontoführung dauerhaft in unabhängige Hände gehen soll: Für die laufende Betreuung gilt ein Festhonorar je Paket, kein Prozentsatz vom Budget.
Quellen und Einordnung
Klingt nach Ihrem Konto? Die Konto-Durchsicht beantwortet für Ihr eigenes Konto, was hier allgemein steht — für Unternehmen zum Festpreis von 490 € zzgl. USt, Ergebnis in der Regel binnen 5 Werktagen.
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